NLP in der Paartherapie

NLP ist eine Sammlung aus Kommunikationstechniken, das in den 1970er-Jahren aus der Beobachtung erfolgreicher Therapiepersonen entstanden ist. Einzelne Techniken wie Reframing oder Perspektivwechsel können in der Paararbeit hilfreich sein – sie stammen allerdings häufig aus anderen Methoden. Die eigenständigen Annahmen von NLP sind wissenschaftlich nicht belegt.

Was ist NLP?

NLP steht für Neuro-Linguistisches Programmieren. Entwickelt wurde es in den 1970er-Jahren in Kalifornien von dem Informatiker Richard Bandler und dem Linguisten John Grinder. Ihr Ausgangspunkt: Sie beobachteten besonders erfolgreiche Therapiepersonen – darunter die Familientherapeutin Virginia Satir, den Gestalttherapeuten Fritz Perls und den Hypnotherapeuten Milton Erickson – und versuchten, deren Vorgehen in lernbare Techniken zu übersetzen. Der Name soll ausdrücken, dass Denken (neuro), Sprache (linguistisch) und Verhaltensmuster (Programme) zusammenhängen und sich gezielt verändern lassen.

NLP wird heute überwiegend als Kommunikations- und Persönlichkeitstraining vermarktet, im Coaching, im Verkauf, in der Führungskräfteentwicklung und eben auch in der Beziehungsarbeit. Die Ausbildung ist privat organisiert und in Stufen gegliedert, meist als Practitioner, Master und Trainer.

Welche NLP-Techniken begegnen euch in der Paararbeit?

Rapport bezeichnet eine Art Gleichklang im Gespräch, der über das Anpassen von Tempo, Tonfall und Körperhaltung entstehen soll. Im Paarkontext geht es darum, sich wieder aufeinander einzustimmen.

Reframing bedeutet, einem Verhalten einen neuen Rahmen und damit eine neue Bedeutung zu geben – aus „Du kontrollierst mich“ wird vielleicht „Du willst uns beide absichern“. Diese Technik hat NLP aus der Familientherapie übernommen, und sie wird dort bis heute eingesetzt.

Wahrnehmungspositionen laden dazu ein, eine Situation nacheinander aus der eigenen Sicht, aus der Sicht des Partners und aus der Sicht eines neutralen Beobachters zu betrachten. Perspektivwechsel dieser Art sind auch in vielen anderen Methoden üblich.

Das Meta-Modell der Sprache hilft dabei, vage und verallgemeinernde Aussagen zu präzisieren. Wer „Du hörst mir nie zu“ sagt, wird gefragt: Nie? Wann genau zuletzt? Das deckt sich weitgehend mit dem, was auch Kommunikationstrainings üben.

Ankern soll angenehme Zustände mit einem Reiz verknüpfen, etwa einer Berührung oder einem Wort, damit sie später leichter abrufbar werden. Das Prinzip ähnelt der klassischen Konditionierung.

Auffällig ist dabei: Die Techniken, die für Paare am ehesten hilfreich wirken, stammen häufig ursprünglich aus anderen, besser untersuchten Methoden.

Für wen kann NLP passen?

Wenn eine gut ausgebildete Therapieperson mit fundierter Grundausbildung einzelne Techniken wie Reframing oder Perspektivwechsel in eine Paartherapie einbaut, ist daran wenig auszusetzen – diese Techniken sind auch in anderen Methoden verbreitet. Als alleinige Grundlage einer Paartherapie empfiehlt sich NLP nach dem aktuellen Forschungsstand nicht. Wer Wert auf gut untersuchte Methoden legt, findet in der emotionsfokussierten oder der verhaltenstherapeutischen Paartherapie sowie in strukturierten Kommunikationstrainings deutlich solidere Grundlagen.

Häufige Fragen zur Gewaltfreien Kommunikation in der Paartherapie

Ist NLP wissenschaftlich anerkannt?
Nein. Systematische Übersichtsarbeiten finden keine ausreichenden Belege für die Wirksamkeit von NLP, und zentrale Grundannahmen gelten als widerlegt.

Ist NLP gefährlich?
Einzelne Techniken sind harmlos und teilweise hilfreich.

Was hat NLP mit Hypnotherapie zu tun?
NLP hat Elemente aus der Arbeit von Milton Erickson übernommen, etwa bestimmte Sprachmuster. Die Hypnotherapie selbst ist ein eigenständiges Verfahren mit deutlich besserer Studienlage.

Was bedeuten Titel wie „NLP-Practitioner“ oder „NLP-Master“? Das sind private Zertifikate von NLP-Verbänden oder Ausbildungsinstituten.

Lesetipps:

Jackie Sturt u. a.: Neurolinguistic programming: a systematic review of the effects on health outcomes (British Journal of General Practice, 2012)
– die wichtigste systematische Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit von NLP. Frei abrufbar, auf Englisch.

Richard Wiseman u. a.: The Eyes Don’t Have It: Lie Detection and Neuro-Linguistic Programming (PLoS ONE, 2012)
– die Studie zur angeblichen Lügenerkennung über Augenbewegungen. Kurz, gut lesbar und frei zugänglich, auf Englisch.

Zur Gegenposition: die Metaanalyse von Zaharia, Reiner und Schütz aus dem Jahr 2015, auf die sich NLP-Verbände häufig berufen. Wer beide Seiten kennen möchte, liest sie am besten zusammen mit der Übersicht von Sturt.

Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle therapeutische Beratung.

Passende Therapiepersonen